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Ceretto

Einer der spannendsten Betriebe des Piemont. Bruno und Marcello Ceretto sind die großen Erneuerer des Barolo und des Barbaresco. Sie haben frühzeitig auf die wachsende Kritik reagiert, dass die Weine aus der Nebbiolo-Traube oft als schroff und unfreundlich wahrgenommen wurden. Sie brauchten in aller Regel eine extrem lange Zeit in der Flasche, um ihre überragenden Qualitäten zu entfalten – und die Geduld für diesen Alterungsprozess wollen Verbraucher nur selten aufbringen.

Warum sollte man ihnen nicht entgegen kommen? Die Gebrüder Ceretto, deren Vater Weinhändler war, kein Winzer, wussten ganz genau, was sie wollten. Zuerst überredeten sie einige Winzer, ihre Weinberge dichter zu bepflanzen und unter weitgehendem Verzicht auf chemische Spritzmittel zu bewirtschaften, dann fingen sie selbst damit an, Weinbergsflächen zu erwerben; Anfang der 70er Jahre war das.

Schon mit diesen Neuerungen, die für die Steigerung der Trauben- und Mostqualitäten Mengeneinbußen in Kauf nahmen, wurden sie argwöhnisch beäugt. Bei der Kellertechnik erwiesen sie sich dann als regelrechte Revolutionäre. Mit den großen Eichenfässern, in denen traditionell Barolo und Barbaresco ausgebaut wurden, hatten sie nichts im Sinn. Zu wenig Mikrooxidation, bemängelten sie, und obendrein eine zu große Gefahr der bakteriellen Verunreinigung. Viele Barolos der 80er Jahre hatten nach ihrer Meinung zu viel flüchtige (Essig-) Säure, und das lag unbezweifelbar an mangelnder Hygiene beim Ausbauverfahren.

Aber wer auf ihr Scheitern gehofft hatte, sah sich getäuscht. Das Ergebnis ihrer neuen Methoden waren körperreiche Nebbiolo-Weine guter Struktur, die schon nach ein oder zwei Jahren auf der Flasche trinkreif waren – und ihnen aus der Hand gerissen wurden.

Die Neuerungen der Brüder Ceretto beschränkten sich nicht auf den Wein. Ihren Betrieb führten sie von Beginn an dezentral. Der Wein aus den berühmten Einzellagen wie Bricco Rocche in Barolo und Bricco Asili in Barbaresco wird in mehreren Winzerbetrieben bereitet, von denen keiner mehr als maximal 100 000 Flaschen verarbeitet. Die einzelnen Betriebsleiter haben sehr weitgehende Freiheiten. In der großen Zentralkellerei werden dagegen nur die Weine aus angekauftem Traubengut bereitet.

Das beste Unterscheidungskriterium für die Seriosität eines Winzerbetriebs ist immer und überall der Umgang mit den schlechten Jahrgängen. Ceretto ist hierbei vorbildlich rigoros: In durchschnittlich zwei von zehn Jahrgängen werden die Lagenweine abgewertet und fließen in die Handelsweine Zonchera und Asij. So sind einerseits die Konsumenten davor geschützt, dass die Etiketten Bricco Rocche, Asili, Faset und Prapò jemals unwürdige Qualitäten schmücken könnten. Umgekehrt sichern die Cerettos, dass ihre wertvollen Marken nicht verwässert werden.

Ganz ungewöhnlich für das Piemont: In einem ihrer der Weingüter, der Azienda Monsordo Bernardina, bauen die Cerettos ausschließlich Chardonnay, Syrah, Cabernet, Pinot Noir und Viognier an. Hier erzeugen sie nicht nur die hochklassige rote Cuvée „Monsordo“, sondern auch geringe Mengen des champagnerähnlichen Spumante La Bernardina Brut.

Das ganze war als eines unter mehreren Versuchsprojekten gestartet, auf anderen drei Hektar wächst, man glaubt es kaum, Riesling. Aber Monsordo Bernardina wurde schnell erfolgreich und zeugt vom unternehmerischen Einfallsreichtum der Cerettos.